Sieh es positiv: Das Leben mit einem Artgenossen unverträglichem Hund

21. April 2019 4 Von FrauFibi
Der Alltag mit Fibi ist wunderschön trotz der Artgenossen Unverträglichkeit
Auch der Alltag mit einem unverträglichem Hund ist schön!

Frau Fibi sieht aus als könne sie kein Wässerchen trüben, nicht wahr? Insgesamt 12 Jahre leben wir nun gemeinsam. 12 Jahre in denen ich viel gelernt habe, auch über mich. Und auch, dass Artgenossen Unverträglichkeit in einigen Fällen “heilbar” ist. Oder zumindest reduziert werden kann.

Der Anfang vom Ende: Artgenossen? Nicht mit mir!

Angefangen hat Fibis Artgenossen Unverträglichkeit ein paar Wochen nachdem sie bei mir eingezogen ist. Ich war damals noch völlig unbedarft und hatte wenig Ahnung von hündischer Kommunikation. Fibi war damals ein unsicheres Mädel, die den Umgebungswechsel erstmal verdauen musste. In der näheren Umgebung wohnten ca 10 andere Hunde – mit 10 unterschiedlichen Baustellen. So machten wir also nichts ahnend unseren Spaziergang und ich sah plötzlich eine Appenzeller Sennenhündin auf uns zustürmen. Instinktiv hat Fibi hinter mir Schutz gesucht. Ich habe das nicht verstanden und bin einfach weiter gegangen. So kam es dann dazu, dass Fibi von der jungen stürmischen Hündin ein paar Meter vor sich her getrieben wurde. Ich habe das als Spielen wahrgenommen und bin nicht im entferntesten darauf gekommen, dass Fibi sich vermutlich sehr unwohl fühlt. Von mir im Stich gelassen, nicht verstanden und in (ihrer) großen Not von mir alleine gelassen.. Diesem Menschen kann ich nicht vertrauen, ist wohl ihr Gedankengang gewesen.

So hatte ich innerhalb eines Spaziergangs einen Leinenrambo herangezogen. Ohne dass ich es wusste und vor allem ohne dass ich es wollte! Ab diesem Zeitpunkt wurden Hunde schon in 100m angebellt und angegiftet. Zu Hochzeiten hat sie sogar auf den Hinterfüßen an der Leine gestanden und sich die Stimmbänder wund gebellt.

Angesichts vieler sehr miserabler Hundetrainer und Hundeschulen in der Umgebung hat es auch ganze 10 Jahre gebraucht, bis wir das Thema “andere Hunde” halbwegs in den Griff bekommen haben. Zeigen und Benennen war unser Zauberwort, sodass andere Hunde mittlerweile positiv verknüpft sind. Die gewaltfreie Kommunikation mit dem Hund und positive Verstärkung hat hier auf dem Land erst spät Einzug gefunden. Kontakt an der Leine oder im Freilauf ist jedoch immer noch tabu oder nur in gaaaaanz seltenen Ausnahmefällen möglich.

Was ist denn nun daran positiv?

Ich habe mich also von meiner Wunschvorstellung mit mehreren Hundebesitzern und deren Hunden fröhlich durch den Wald zu spazieren verabschiedet. Nie bin ich in den Genuss von mehreren (wirklich!) spielenden, ausgelassen Hunden gekommen, die fröhlich über die Wiese toben. Und nie konnte ich mit Fibi andere Hunde begrüßen und freilaufende Hunde ohne Besitzer erzeugen bei mir immer noch einen Puls über 200.

Mit einem Artgenossen Unverträglichem Hund sind Sonnenuntergänge Qualitytime.
Qualitytime bei einem schönen Sonnenuntergang

Wir sind dann unterwegs, wenn andere ihre Spaziergänge beendet haben. Meistens gehen wir recht früh morgens oder eben am Abend wenn es langsam dunkel wird. Die Gefahr andere Hunde zu treffen ist dann eher gering. Der Vorteil ist, dass wir oft wirklich sehr schöne Sonnenuntergänge oder Aufgänge beobachten können. Auch gehen wir oft bei drohendem Regen oder schlechtem Wetter. Dank des super wasserabweisendem Regenmantel von Fibi (und mir ) kommen wir trotzdem immer trockenen Fußes zurück.

Halter Artgenossen unverträglicher Hunde scheuen kein schlechtes Wetter.
Auch drohender Regen schreckt uns nicht ab…

In der Regel gehen wir unsere größeren Runden dort wo sonst niemand geht. Mittlerweile kenne ich hier in der Umgebung sämtliche Nebenstrecken, Wald und Wiesen Abkürzungen sowie eher unspannende Wege die von Hundebesitzern und Wanderern gemieden werden. Fibi kommt auch hier in den Genuss immer wieder leinenlos zu laufen. Auf hochfrequentierten Strecken wäre dies nie im Leben möglich.

Außerdem weiche ich aus. Den Höflichkeitsbogen (den es in der Hundewelt tatsächlich gibt) beherrschen wir im Schlaf. Anderen Hunden weichen wir um mindestens 30m aus, auch wenn ich dazu ins Unterholz kriechen muss, fremde Gärten durchlaufe oder über den frisch gedüngten Acker laufen muss.

Als Hundehalter lernt man auch Wege abseits der großen Wanderwege kennen.
Auch abseits der Wanderwege kann man eine schöne Aussicht genießen.

Achtsamkeit und das Leben im Offline-Modus

Trotzdem habe ich bei einem Spaziergang meine Augen immer auf Fibi und der weiteren Umgebung. Es gab schon mal Situationen in denen dann doch ein fremder Hund samt Besitzer aus dem Unterholz gestiegen kam und ich schnell reagieren musste.

Mit dem Smartphone in der Hand und Musikhörend durch Wald und Wiesen laufen kann ich daher nicht. Und darüber bin ich im Nachhinein echt froh. Es ist schön die Natur und die Ruhe zu genießen und den Offline-Modus ganz bewusst wahrzunehmen. Kein Facebook, kein WhatsApp und keine Anrufe. Diese Zeit gehört ganz Fibi und mir. Auch habe ich während dieser Zeit viele Momente um Fibi ganz genau zu beobachten und einige Marotten und witzige Macken bei ihr zu entdecken. Erschnüffelt sie irgendwo Hinterlassenschaften anderer Tiere, rümpft sie zuerst die Nase, hebt dann eine Pfote um dann den Rückwärtsgang einzulegen um mindestens 3 m Abstand zu erlangen. Anschließend wandert sie dann in 1,5m Abstand um den Übeltäter herum. Hundehalter, deren Hunde sich darin wälzen, werden wohl jetzt neidisch sein 😉

Abseits der Strecken findet man oft viele seltsame und tolle Dinge…

Vielleicht greift bei Fibi nun aber auch die Weißheit des Alters, sodass man sich nicht mehr so sehr über Artgenossen aufregen muss. Gehen wir in der Stadt spazieren regnet es bei jeder Hundesichtung natürlich immer noch leckere Goodies, sodass Fremdhunde mittlerweile positiv besetzt sind. Ich würde jederzeit wieder einen Artgenossen unverträglichen Hund adoptieren. Die gemeinsame Zeit ist einfach intensiver, kreativer und viele Dinge nehme ich ganz anders wahr.

Mit viel Zeit zum Kennenlernen hat Fibi jedoch auch ein Jahr lang mit einem Mitbewohner leben können. Nur für den Fall, dass jetzt jemand meckert, sie habe keine Sozialkontakte 😉

Artgenossen Unverträglichkeit ist heilbar.
Sozialkontakte ermögliche ich Fibi sehr wohl. Nur sind diese eben ausgewählt und es bedarf einige Zeit bis es stimmig ist.

Es gibt noch mehr Hundehalter deren Hunde unverträglich sind und die ebenfalls positiv darüber berichten. Solche Special Effects sind nicht immer negativ, man muss nur damit umgehen können 🙂 Vom Glück einen unverträglichen Hund zu haben.